Ausbildungsgänge

 

Analythischer Kinder- und Jugendtherapeut

Analytische Kinder- bzw. Jugendlichenpsychotherapie ist ein psychoanalytisches Therapieverfahren. Es bietet den Patienten einen geschützten Raum, in dem sie ihre Probleme darstellen und die krankheitsverursachenden unbewussten Konflikte gestalten können. Kinder benutzen zur Darstellung ihrer Konflikte häufig Gestaltungsmittel wie Spiel oder Zeichnung, während Jugendliche das Gespräch nutzen.
So entsteht mit dem Therapeuten oder mit der Therapeutin langsam eine Beziehung, in der sich die inneren Themen des Kindes oder Jugendlichen, seine Sorgen, Wünsche und Aggressionen, seine inneren Konflikte und Ängste entfalten können und mit der Hilfe des Therapeuten in Worte gefasst werden. Beide lernen, die in der therapeutischen Übertragungsbeziehung erlebten Gefühle und Vorstellungen in einen Zusammenhang mit den Problemen und Symptomen des Kindes oder Jugendlichen zu bringen und darüber die Ursachen der Erkrankung, die bisher unbewusst waren, zu verstehen. Ziel der psychotherapeutischen Behandlung ist es, dem Kind bzw. dem oder der Jugendlichen neue Möglichkeiten der psychischen Verarbeitung seiner Ängste und Konflikte zu eröffnen, so dass die weitere Entwicklung und das innere Befinden nicht mehr durch neurotische Symptome oder Verhaltensauffälligkeiten beeinträchtigt werden müssen.

Der Ausbildungsgang

Die Ausbildung umfasst folgende Bereiche:
Die Selbsterfahrung (Lehranalyse) erfolgt bei einem/r vom Institut anerkanntem PsychoanalytikerIn und erstreckt sich als kontinuierlicher Prozeß über die gesamte Weiterbildungszeit. Die Lehranalyse ist zentraler Teil der Ausbildung und erfolgt in einem geschützten Raum; d.h. daß die LehranalytikerInnen in keiner Weise an Entscheidungen über den Fortgang der Weiterbildung beteiligt sind.
Die teilnehmende Säuglingsbeobachtung. Sie steht meist am Beginn der Ausbildung und wird regelmäßig vom Institut begleitet. Die praktische Tätigkeit dient dem Erwerb von praktischen Erfahrungen in der Behandlung von Störungen mit Krankheitswert. Sie findet unter der Verantwortung des Instituts in kinderpsychiatrischen Einrichtungen sowie als psychosomatisches Praktikum in der Ambulanz des Instituts statt. Die Ausbildungsteilnehmer erwerben hier Erfahrungen im breiten klinischen Bereich der Kinderpsychiatrie und der spezifischen Diagnostik der analytischen Kinderpsychotherapie.

Die theoretische Ausbildung findet abends in Vorlesungen, Seminaren und Übungen statt und vermittelt Grundkenntnisse für die psychotherapeutische Tätigkeit sowie vertiefte Kenntnisse in den psychoanalytisch begründeten Verfahren. Das Curriculum richtet sich nach der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten nach dem Psychotherapeutengesetz. Hinsichtlich der psychoanalytischen Ausrichtung ist das Institut den Richtlinien der Ständigen Konferenz der Aus- und Weiterbildungsstätten für analytische Kinder- und Jugendlichentherapeuten e.V. in der Bundesrepublik Deutschland verpflichtet.

Die praktische Ausbildung beinhaltet die Durchführung analytischer und tiefenpsychologisch fundierter Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapien unter Supervision. Hier machen die AusbildungskandidatInnen Erfahrungen mit längeren psychoanalytischen Prozessen, in denen die spezifischen Wirkfaktoren der psychoanalytischen Behandlung zum Tragen kommen. Sie erwerben weiterhin therapeutische Erfahrungen mit Therapieformen, die von psychoanalytischen Verfahren abgeleitet sind und dem tiefenpsychologisch fundierten Verfahren zuzuordnen sind wie Kurzzeittherapien, Kriseninterventionen, längerfristig orientierte haltgebende Psychotherapien.

Die Ausbildung gliedert sich in zwei Ausbildungsabschnitte. Der erste Abschnitt beinhaltet schwerpunktmäßig die Vermittlung der theoretischen Grundkenntnisse sowie die Ableistung des Praktikums im kinderpsychiatrischen Bereich. Nach der bestandenen Zwischenprüfung beinhaltet der zweite Ausbildungsabschnitt den Erwerb von diagnostischen Kenntnissen durch die Erstellung von schriftlichen Anamnesen und die Durchführung analytischer und tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapien bei Kindern und Jugendlichen mit begleitender Elternarbeit unter Supervision.
Die praktische Ausbildung wird von einer vertiefenden Theorievermittlung begleitet.

Abschluss der Ausbildung

Die Ausbildung dauert nach dem Psychotherapeutengesetz mindestens fünf Jahre. Die Ausbildung zum/zur Analytischen Kinder- und Jugendlichen-PsychotherapeutIn dauert unserer Erfahrung nach sechs bis sieben Jahre. Hat der/die AusbildungsteilnehmerIn sämtliche Voraussetzungen erfüllt, so stellt er/sie Behandlungen im Institut vor und kann dann im Benehmen mit dem Institut den Antrag auf Prüfung bei der Behörde stellen, um die Approbation zu erlangen. Die Approbationsprüfung ist durch die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Kinder- und Jugendlichen-PsychotherapeutInnen geregelt und findet auch unter Mitarbeit von PrüferInnen des Instituts statt.
Die Zulassung zur Ausbildung setzt die persönliche Eignung der/des BewerberIn voraus. Über die persönliche Eignung befindet der Weiterbildungsausschuß nach drei Interviews. Im Falle der Zulassung schließen die AusbildungsteilnehmerInnen mit dem Institut einen Ausbildungsvertrag ab. Weitere Einzelheiten der Ausbildung sind in der Studienordnung des Instituts geregelt.

Zeitlicher und finanzieller Aufwand

Die Ausbildung erfolgt in Teilzeitform. Sie ist als Paternoster-System organisiert, bei dem jeder einzelne Ausbildungsteilnehmer zu jedem Semesterbeginn in ein laufendes Curriculum eintreten kann.

Der konzipierte curriculare Lehrplan ist auf zehn Unterrichtssemester ausgelegt. Trotzdem dürfte es einen Idealfall darstellen, innerhalb dieser Zeit eine psychoanalytische Ausbildung absolvieren zu können. Verzögerungen können sich bei der Auswahl geeigneter Ausbildungsfälle ergeben, und deswegen steht speziell die Dauer des praktischen Teils der Ausbildung nicht fest.
Das Institut gibt sich Mühe, das Angebot an theoretischen Veranstaltungen und kasuistischen Seminaren auf ein bis zwei Abende in der Woche (mit zwei zweistündigen Seminarblöcken) zu konzentrieren. Dies soll die Seminarangebote übersichtlich halten und die sozialen Kontakte innerhalb der Studiengruppe fördern.
Die Mitglieder des Ausbildungsinstituts halten sich für Gesprächangebote bereit. Insbesondere wenn sich herausstellen sollte, daß bestimmte Ausbildungsschritte für den einzelnen Ausbildungsteilnehmer mit Schwierigkeiten verbunden sind, können Gespräche mit den entsprechenden Lehrkräften geführt werden.

Die Kosten der Ausbildung können - besonders im Prakticando-Teil der Ausbildungs- erfahrungsgemäß durch die vorgeschriebenen Krankenbehandlungen erwirtschaftet werden, die jeder Ausbildungskandidat in der Ambulanz seines Institutes durchzuführen hat. Nach Maßgabe unseres Anerkennungsbescheides durch das zuständige rheinlandpfälzische Ministerium (MASG) und unseres Ambulanzvertrages mit der zuständigen KV kann ein Ausbildungskandidat mindestens 1000 Stunden praktischer Ausbildung (d.i: Behandlung eigener Fälle unter Supervision) abrechnen. Dem steht etwa die gleiche Stundenzahl an Selbsterfahrung und Supervision gegenüber, so daß Einnahmen und Ausgaben sich die Waage halten dürften.
Unausgewogenheiten hängen damit zusammen, daß die Ausbildungsteilnehmer zwischen dem Beginn der Lehranalyse und der Zwischenprüfung, die zur eigenen Krankenbehandlung berechtigt, noch keine Einnahmen durch Ausbildungsfälle haben.