Diese Frage stellen sich Menschen, die psychisch in Not sind und überlegen, ob eine Psychotherapie ihnen helfen könnte. Es gibt ja verschiedene Psychotherapie-Verfahren, drei davon werden von den Krankenkassen als wissenschaftlich belegt anerkannt und entsprechend finanziert. Aber welches soll man für sich wählen?

Diese Frage stellen sich aber auch politische EntscheidungsträgerInnen – sie müssen dafür sorgen, dass wirksame und zweckmäßige Therapiemethoden in der Krankenversorgung angeboten werden. Und dies dann auch in ausreichender Güte und Menge.

Also – wirkt sie? Wir müssen die Frage etwas genauer formulieren, um sie gut beantworten zu können.

Eine gut beantwortbare Frage lautet zum Beispiel: „Sind PatientInnen mit komplexen psychischen Problemen, die eine analytische Psychotherapie von mindestens 50 Sitzungen erhalten, nachher psychisch gesünder als PatientInnen, die eine andere Behandlung erhalten?“ Die Antwort dazu lautet: Ja. Das haben WissenschaftlerInnen herausgefunden, die alle Studien, die es bislang dazu gibt, zusammengetragen und ausgewertet haben (Leichsenring, 2011, British Journal of Psychiatry). Sie konnten 10 Studien in ihrer Meta-Analyse zusammenfassend auswerten. Insgesamt 971 PatientInnen waren in den Studien untersucht worden. Die AutorInnen fanden heraus, dass längere analytische Psychotherapien bei dieser PatientInnengruppe bessere Effekte erzielen als kürzere Therapien.

Und was ist mit analytischer Kurzzeittherapie? Hierzu gibt es ebenfalls eine systematische Zusammenstellung aller bisherigen Studien (Abbass, 2014, Cochrane Library). Die AutorInnen fanden 33 Studien mit insgesamt 2173 PatientInnen, in denen analytische Kurzzeittherapie verglichen wurde mit Standardversorgung, mit einer Warteliste oder mit minimalen Kontakten. Fasst man die Ergebnisse dieser Studien zusammen, so sieht man, dass analytische Kurzzeittherapie psychisches Leiden in vielen Bereichen verbessert: die PatientInnen waren weniger depressiv, weniger ängstlich und fühlten sich psychisch allgemein besser als die PatientInnen, die diese Behandlung nicht bekommen hatten. Körperliche Symptome ließen sich jedoch nicht reduzieren.

So gibt es viele weitere Fragen, die man stellen kann und muss, um die Wirksamkeit von analytischer Psychotherapie beurteilen zu können. Entsprechend viele Studien sind nötig. Damit auch fachunkundige Personen die Ergebnisse dieser Studien sehen und sich selbst ein Bild machen können, stellt die Internationale Psychoanalytische Vereinigung regelmäßig eine Übersicht von Studien kostenfrei zur Verfügung, das "Open-Door-Review". Hierdurch wird die Wirksamkeit von Psychoanalyse nach Einschätzung von ExpertInnen sehr gut belegt.

Eine weitere sehr gute Quelle, die für alle frei zugänglich ist, ist die Cochrane Collaboration. Hier werden Studien in hoher Qualität zusammengetragen und ausgewertet (sogenannte „Systematische Reviews“), und für jedes dieser Reviews werden die Ergebnisse auch in einer für Fachfremde verständlichen Sprache zusammengefasst. Die oben zitierte Studie von Abbass (2014) können Sie zum Beispiel hier nachlesen.